Frauen, die visualisieren: Eva-Lotta Lamm

“Das Thema ‘Visuelles Denken’ ist für mich eine endlose Entdeckungsreise.”

Eva-Lotta Lamm im Interview

Auch diesen Monat präsentiere ich euch wieder eine wunderbare Frau, die visualisiert. Ich habe Frauen gebeten mir Fragen rund um die Themen Sketchnotes, Bullet Journaling, Graphic Recording oder Flipchartgestaltung zu beantworten.

Bisher veröffentlichte Interviews findest du gesammelt in der Kategorie Frauen, die visualisieren. Dort findest du Interviews mit: Sandra Dirks, Diana Meier-Soriat, Dr. Franziska W. Schwarz, Ines Schaffranek, Simone Fass und Tanja Wehr.

Eva-Lotta Lamm beim Sketchnote Barcamp in Hannover 2018. Bild: Thomas Dick / www.inkblot.de, CC BY-SA 4.0

Diesmal hat sich Eva-Lotta Lamm im Interview meinen Fragen über Sketchnotes gestellt. Yippphie!

Wenn du Sketchnoter*innen online folgst, dann geht es dir bestimmt wie mir, und Eva-Lotta Lamm ist auch schon lange dabei. Das erste Mal live erleben durfte ich sie im letzten Jahr beim Internationalen Sketchnote Camp in Hamburg. Da ist sie spontan für einer der Workshops am Vorabend eingesprungen und hat mit uns tolle Übungen zum Zeichnen und Sketchnoten gemacht. Fasziniert habe ich den Instagram Account ihrer Sketchnotes über die Weltreise und das Entstehen von vielen Yoga-Notizen verfolgt. Beim Sketchnote Barcamp in Hannover nahm ich an ihrer Session über Yoga Positionen teil. Wenn alles erstmal in die einzelnen Bestandteile heruntergebrochen wird, dann sind so Systeme auch gut verständlich.

In diesem ausführlichen Interview verrät uns Eva-Lotta, welche Frage sie immer gestellt bekommt und eigentlich gar nicht mehr beantworten mag. Sie gibt viele Tipps und Hinweise zum Sketchnotes Erstellen und erzählt, was sie sonst noch so vor hat.

Interview mit Eva-Lotta Lamm

In der Sketchnote seht ihr meine Zusammenfassung vom Interview. Ausführlicher kannst du es ab hier lesen:

Wer bist du, was machst du und wo kann man dir folgen?

Eva-Lotta: Meine Name ist Eva-Lotta Lamm. Ich bin Designerin und der Fokus meiner Arbeit liegt auf dem Visualisieren. Zum einen helfe ich Teams und Unternehmen, komplexe Situationen oder Systeme vu visualisieren, damit sie diese klarer und strukturierter betrachten und Probleme von einer neuen Perspektive aus verstehen können. Zum anderen bringe ich anderen bei, selbst visueller in ihrem Denken und Ausdruck zu sein, indem im Workshops unterrichte und meine Leidenschaft für die visuelle Sprache auf Konferenzen mit einem breiten Publikum teile.

Auf meiner Webseite kann man meine eigenen Projekte (vor allem in Buchform) sehen (und kaufen), meine nächsten Workshop- und Vortragstermine finden und meinen (semi-regelmässigen) Blog lesen.

Auf Instagram poste ich jeden Tag kleine Skizzen und Ausschnitte aus meiner Arbeit und in meinem Newsletter erzähle ich alles 3-4 Wochen, was es so neues gibt und teile interessant Links und Geschichten, die mir so begegnen.

 

Welchen Tipp gibst du Anfänger*innen fürs Sketchnotes Erstellen?

Eva-Lotta: Mehrere. Die kann man sich auch online angucken.
Mein Talk ‘5 Steps to Change your Note Taking’ ist ein super Einstieg zum angucken und direkt mitmachen. 

Und zum weiter üben habe ein kleines ‘Mini Visual Starter Kit’ zusammengestellt, mit dem man direkt mit einfachen Meeting-Notes und Projektplanung loslegen kan.

Was war dein größter Aha-Effekt beim Sketchnotes erstellen?

Eva-Lotta: Fast jedes Mal, wenn ich einen Stift in die Hand nehme, um über ein Thema nachzudenken, passiert ein kleiner Aha-Moment. Worte sind super, aber leider in Textform nicht sehr gut dazu geeignet Beziehungsnetzwerke und Systeme zu beschreiben, da sie in einem Text immer in einer festen und linearen Reihenfolge angeordnet sind. Sobald man jedoch anfängt, sie auf einer Fläche anzuordnen und räumlich miteinander in Beziehung zu setzen, kann man auf einmal Zusammenhänge erkennen, die man vorher nicht unbedingt sehen konnte. Das ist für mich immer der spannendste Moment.

Am besten ist es natürlich, wenn dieser Aha-Effekt auch auf andere überspringt. Vor ein paar Wochen habe ich von einer Kundin ein sehr schönes Kompliment bekommen, in dem sie diesen Effekt super beschrieben hat: “Ich liebe diese Art des Arbeitens. Sie eröffnet ganz neue Pfade in meinem Gehirn. Die Geschichte war schon die ganze Zeit da, ich habe sie bisher nur nicht sehen können.”

 

Was hättest du gern am Anfang schon gewusst?

Eva-Lotta:  Was ist ‘am Anfang’? Und am Anfang von was? 😉

Das Thema ‘Visuelles Denken’ ist für mich eine endlose Entdeckungsreise. Ich kann schwer sagen, wann und wo sie angefangen hat und ich weiss nicht, wo mein Weg mich als nächstes hinführen wird. Für mich sind solche Unternehmungen gerade deshalb so spannend, weil sie keinen Anfang und kein Ende haben. 

Ich freue mich jedesmal, wenn ich etwas Neues entdecke, lerne, herausfinde oder sich plötzlich ein neuer Zusammenhang zwischen schon Gewusstem auftut. Dieser ‘Prozess des Entdeckens’ ist für mich (fast) wichtiger als der daraus resultierende ‘Zustand des Wissens’, da er dem Wissen und Können eine Tiefe gibt, die man durch Abkürzungen selten erreicht, und die letztendlich auch in der Qualität der Arbeit spürbar ist. 

Natürlich gibt es ein paar ‘Shortcuts’ und Kniffe, die man sich von Anderen abschauen kann und die einem den Einstieg erleichtern. Aber wenn man an einer Sache interessiert ist und die Augen offen hält, kann man meiner Erfahrung nach darauf vertrauen, dass sich alles nach und nach und im richtigen Moment schon finden wird.

Was magst du am liebsten am Sketchnotes?

Eva-Lotta: Ich mag am liebsten, dass es live ist und dass es mich zwingt, im Moment zu arbeiten. Vieles ist nicht perfekt, aber wenn der Vortrag vorbei ist, dann ist es ist so wie es ist. Für mich ist es eine stetige Übung darin, auf dem Papier zu improvisieren, mich selbst zu überraschen und mich mit dem Unperfekten anzufreunden. 

Was am wenigsten?

Eva-Lotta:  Eigentlich nichts… 

Oder doch. Es gibt eine kleine Sache, die ich nicht so mag, und zwar, dass die erste Frage der meisten Leute, die meine Arbeit sehen die ist, welche Stifte ich benutze. Ich finde die Frage ziemlich langweilig. Klar, wenn man viel zeichnet, entwickelt man eine Vorliebe für manche Stifte (und früher oder später findet man sein Lieblingsmaterial), aber die spannendere Frage ist die, was im Kopf und in der Hand passiert, wenn man anfängt Inhalte aufs Papier zu bringen. Diese Frage würde ich gerne häufiger und zuerst hören 😉

Was war dein coolster/aufregendster/ungewöhnlichster Auftrag?

Eva-Lotta:  Sagen wir mal ‘anspruchvollster’ Auftrag…
Ich bin von einer sehr netten Frau engagiert worden, bei einer Konferenz digitale Sketchnotes zu machen. Sie sagte am Telefon, dass es eine sehr technische Konferenz für Entwickler sei. Da ich seit Jahren in der Technologiebranche und auch eng mit Entwicklern zusammenarbeite, dachte ich, das geht schon klar.

Als ich dann im ersten Vortrag saß und fast nur Bahnhof verstanden habe, war ich mir nicht mehr ganz so sicher ob ich etwas Sinnvolles aufs (virtuelle) Papier bekommen würde. Ich habe mich dann glücklicherweise auf meine strukturellen Zuhör-Fähigkeiten verlassen können. Selbst wenn ich die einzelnen Inhaltspunkte nicht komplett verstehe, ist es doch möglich, die Struktur und Zusammenhänge zwischen den Punkten herauszuhören und diese zu visualisieren. Am Ende haben sich mehrer Sprecher bei mir bedankt und waren begeistert von meinen Zusammenfassungen, auch wenn ich selbst nicht hätte erklären können, worum es im Einzelnen ging.

Die Konferenz war zudem aussergewöhnlich, weil ich es dort das erste (und letzte) Mal erlebt habe, dass ein Sprecher in der Mitte seines Vortrages von der Bühne geflüchtet ist. Der Arme war so nervös, dass er so gut wie kein Wort rausgebracht hat. Und nach den wahrscheinlich längsten 15 Minuten seines Lebens, in denen er sich immer panischer durch seine Slides klickte und versuchte, zumindest ein paar ganze Sätze zu formen, hat er dann auf einmal ohne Kommentar fluchtartig die Bühne verlassen.

Lief schon mal was komplett schief? Und wie hast du darauf reagiert?

Eva-Lotta: Wenn ich für Kunden visualisiere bringe ich meistens mein eigenes Material mit. Das macht unabhängiger und schliesst viele mögliche Stressfaktoren aus. Aber meistens kann man auch immer irgendwie improvisieren. 

Das Grösste, was mal schiefgegangen ist, war als das Technik-Team bei einer Konferenz die Folien für meinen Vortrag vor ca. 300 Leuten (trotz vorherigem Technik-Check) nicht ans Laufen bekam. Nach 10-Minuten erfolglosen Rumprobierens habe ich dann entschlossen, meinen Vortrag live zu zeichnen. Ich war erstmal etwas aus dem Konzept, aber es war dann eine ganz gute Herausforderung und im Nachhinein gibt es mir mehr Sicherheit und Gelassenheit, weil ich weiss, dass wenn es hart-auf-hart kommt, ich mich auch mit minimalem Equipment auf mich und meine Fähigkeiten verlassen kann.

Mit welchem Material arbeitest du am liebsten?

Eva-Lotta:  Ich mag es gerne einfach.

Normales A4-Kopier-Papier und simple Fineliner für’s Denken und Aufzeichnen alleine; ein Whiteboard, Post-its und etwas dickere Stifte, um in Gruppen zu arbeiten.

Für Skizzen, die später weiter ausgearbeitete Illustrationen werden sollen, benutze ich gerne das iPad, weil es das Umstrukturieren, Ändern und Ausarbeiten sehr vereinfacht.

Allerdings kann ich ‘auf dem iPad’ nicht denken. Wenn ich ein Thema erstmal verstehen und durchdringen muss, passiert das immer mit groben Skizzen auf Papier. Das gibt mir einfach mehr Raum zum Denken.

 

Was ist dein Lieblingssymbol/icon und warum?

Eva-Lotta: 

Menschen in allen Variationen, Situationen, Aktionen und Gefühlszuständen.

 

 

Was hast du als nächstes vor? Wie geht es bei dir weiter?

Eva-Lotta: Ich werde mich nach wie vor dem Thema Skizzieren und Visuelles Denken widmen, sowohl durch Projekte für Kunden, denen ich dabei helfe, komplexe Situationen und Probleme zu visualisieren, um ihnen neue Blickwinkel und Sichtmöglichkeiten zu eröffnen, als auch durch Workshops, Bücher und andere Formate, die Menschen dabei helfen, selbst visueller in Ihrem Denken und Ausdruck zu werden.

Nächstes Jahr möchte ich meinen Fokus noch mehr auf die Entwicklung meiner eigenen Projekte legen. Momentan bin ich dabei, eine deutsche Übersetzung meines ‘YogaNotes’ Buches zu machen, das Yogalehrern (und Yogabegeisterten im Allgemeinen) dabei hilft, Yoga-Sequenzen mit einfachen Strichfiguren festzuhalten.

Vielen Dank, liebe Eva-Lotta, für das inspirierende und ausführliche Interview und das zur Verfügung stellen der Fotos und Bilder.

Viel Erfolg bei deinen weiteren Vorhaben und hoffentlich bis bald!


Wie gefällt Dir dieses Interview?

Mich interessiert sehr, wie Dir meine neue Artikelserie gefällt! Hinterlasse gerne einen Kommentar zu diesem Blogpost.

Wenn Du einen Wunsch hast, welche Frau auf keinen Fall in meiner Interviewserie fehlen, soll, dann schreibe das gerne in die Kommentare oder sende mir eine E-Mail an info@katharinabluhm.de.


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2 Gedanken zu „Frauen, die visualisieren: Eva-Lotta Lamm

  1. Pingback: Eure #bestnine2018 Posts zu Sketchnotes, Bullet Journaling & Flipcharts * Katharina Bluhm

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